Ein Roadtrip nach Mallorca

„Irgendwie hätte ich Bock Weihnachten am Strand aufzuwachen“. Das waren meine Gedanken im Oktober letzten Jahres. Aber wohin? Florida? Oder vielleicht Fuerteventura? – Nö, denn irgendwie vervielfachen sich die Flugpreise zu dieser Jahreszeit immer auf wundersame Weise. Mit unserem Campervan Diego an die Nordsee? – Zu kalt. Marokko? – Zu weit weg für eine Woche. Mallorca? – Mmh, coole Idee! 

“ Reiseziel für Putzfrauen, Kegelvereine, Junggesellenabschiede? „

Echt jetzt, mit dem Campervan nach Mallorca? Es gibt unzählige Klischees über die größte Insel der Balearen. Der Ballerman als Epizentrum des Sauftourismus. Das 17. Bundesland Deutschlands. Reiseziel für Putzfrauen, Kegelvereine, Junggesellenabschiede und jede Menge Deutsche, die unter der spanischen Sonne nicht auf ihr heimisches Essen verzichten wollen. Bettenburgen und mit Handtüchern reservierte Strandliegen. 

Außerdem gab es zuletzt immer mehr Schlagzeilen, weil angesichts immer höherer Urlauberzahlen die Kritik am Tourismus auf der Insel stieg. Offizielle Campingplätze gibt es auf der Insel kaum und frei stehen ist offiziell nicht erlaubt. 

Natürlich wissen wir, dass die ganzen Klischees nicht für die Insel stehen, aber was uns erwarten würde, wussten wir auch nicht. Wir waren gespannt, voller Vorfreude, aber auch ein bisschen skeptisch. 

Weihnachten auf der Insel

Und so saßen wir am 22. Dezember früh morgens in unserem Diego auf der Autobahn immer Richtung Süden. Wir hatten nur zwei Tage Zeit für die fast 1.500 Kilometer bis zum Fährhafen in Barcelona. Über Luxemburg ging es nach Frankreich. In Lyon quälten wir uns durch den Feierabendstau und fielen kurze Zeit später auf einem camping municipal todmüde ins Bett. Nur um am nächsten Morgen wieder vor Sonnenaufgang auf der Straße zu sein. Als wir die Spanische Grenze erreichten, hatten wir satte 108 € Mautgebühren an die Franzosen gezahlt. 

Über Mautgebühren und Tanken

Frankreich

Damit man von den happigen Mautgebühren in Frankreich nicht böse überrascht wir, kann man sich hier auf der Seite autoroutes.fr über die Maut informieren und die geplante Strecke eingeben. 

Unser Diego fällt in die Klasse 2, „Véhicules intermédiaires“. Diese Klasse kann man blöderweise bei der Berechnung nicht auswählen. Aber als Richtwert reicht das Ergebnis. 

Man kann die Maut in bar oder mit Kreditkarte zahlen. Bei uns haben allerdings beide Kreditkarten (Visa) nicht funktioniert, so dass man genug Bargeld dabei haben sollte. EC/Maestro-Karten werden nicht akzeptiert.

Aber nicht nur die Maut ist teuer in Frankreich, sondern auch die Benzinpreise an der Autobahn. Es lohnt sich definitiv zum Tanken wie in Deutschland von der Autobahn abzufahren. Damit man nicht viel Zeit mit Suchen verbringt, kann man sich hier die Preise im Umkreis anzeigen lassen.

Die Seite ist leider nur auf Französisch, aber eigentlich recht selbsterklärend. Falls Du nicht sicher bist, welchen Kraftstoff Du brauchst, hier eine kleine Legende: 

E85   –   Bioethanol
GPL (Gaz de pétrole liquéfié)   –   Autogas (LPG)
gazole   –   Diesel
SP95 (sans plomb 95)   –   Super bleifrei

Viele Gemeinden in Frankreich stellen kommunale Wohnmobilstellplätze „camping municipal„ zur Verfügung. Die Plätze sind oft kostenlos, haben ein Minimum an Infrastruktur und sind perfekt für die Durchreise. 

Finden kann man die Plätze super über die Stellplatz-App von park4night.

Spanien

Auch das spanische Ministerium stellt eine Internetseite zur Verfügung, um die Benzinpreise zu Vergleichen.

Gasolina 95   –   Super bleifrei
Nuevo Gasoleo A   –   Premium Diesel
Gasoleo A habitual   –   Diesel
Gasoleo B   –   Diesel, rot eingefärbt und steuerbegünstigt für Landwirtschaftliche Fahrzeuge
Gasoleo C   –   Heizöl, rot eingefärbt
Biodiesel   –   Biodiesel

Eine Nacht auf der Fähre

Immer mit der Zeit im Nacken, ja nicht die Fähre zu verpassen, waren wir schon am Nachmittag kurz vor Barcelona. Um 22 Uhr konnten wir schließlich mit Diego auf die Fähre der Transmediterranea rollen. Aus Kostengründen hatten wir keine Kabine gebucht, sondern mussten die Nacht auf einem der Sitzplätze bei der Cafeteria verbringen. Nicht gerade gemütlich, aber okay. 

Ziemlich müde und zerknittert, nach acht Stunden Überfahrt, rollen wir am 24. Dezember noch im Dunkeln von der Fähre. Als schließlich die Sonne die Welt in ein fahles Licht taucht, stehen wir in Palma de Mallorca am Straßenrand mit Blick auf den Yachthafen. Es ist keine einzige Wolke am Himmel. Eine leichte Brise geht durch die Palmen über uns. Der frische Kaffeeduft steigt uns in die Nase als wir unser Frühstück bereiten und wir grinsen über beide Ohren. 

Mit der Fähre nach Mallorca

Von Barcelona aus gibt es zwei Fährgesellschaften, die nach Palma de Mallorca fahren, Balearia und Transmediterranea. 

Balearia

balearia.com
Fahrzeit ca. 7 Stunden
Täglich zwei bis drei Fähren

Transmediterranea

transmediterranea.es
Fahrzeit ca. 8 Stunden
Täglich über Nacht, Montag bis Freitag auch eine Fähre tagsüber

 

Seit April 2018 gibt es eine weitere Fährverbindung mit Corsica Ferries von Toulon in Frankreich in den Nordwesten Mallorcas, nach Alcúdia. 

Corsica Ferries

corsica-ferries.de
Fahrzeit ca. 9 bis 11 Stunden
Zweimal pro Woche
Hinfahrt über Nacht, Rückfahrt tagsüber

Heute ist Heiligabend und statt bei useligem Wetter in der Wohnung zu sitzen, suchen wir uns bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad eine kleine Bucht mit weißem Sandstrand und türkisblauem Wasser. Auf dem Parkplatz direkt an der Cala Llombards ist kaum ein anderes Fahrzeug. Auch wenn manch einer behauptet zu Weihnachten gehört auch Winterwetter, schmecken uns die Weihnachtsplätzchen barfuß am Strand vorzüglich. Als die Sonne untergeht wird es merklich kälter und wir machen es uns in unserem Diego gemütlich. Die Lichterkette leuchtet und ein kleiner Papiertannenbaum ziert unserem Tisch. Es gibt selbstgemachte Pizza im Campingofen und Glühwein und wir finden das könnte eine neue Tradition werden. 

“ Weihnachtsplätzchen schmecken auch barfuß am Strand „

Am ersten Weihnachtstag werden wir mit strahlendem Sonnenschein geweckt. Ab und zu kommen ein paar Anwohner vorbei, halten Smalltalk mit uns, die Polizei dreht ihre Runde und grüßt freundlich. Wir bleiben zwei Tage bevor wir uns losreißen können und ein Stück weiter die Küste entlang Richtung Norden fahren. Während zu Hause schon alle Bäume ihre Blätter verloren haben und ihre kahlen Äste in den Himmel strecken, ist hier alles grün und saftig, bunte Blumen blühen auf den Wiesen und die Vögel zwitschern. 

Am nördlichen Rand von Portocolom finden wir ein schönes Plätzchen an der Klippe. Vanlife von seiner schönsten Seite. Aber das Wetter wird schlechter und in der Nacht werden wir von starkem Wind durchgerüttelt. Ein kräftiges Sturmtief ist im Anmarsch. Auf der Suche nach etwas Schutz fahren wir ins Ladesinnere. In Inca fliegen bereits die ersten Mülltonnen über die Straße. In den Bergen finden schließlich wir wonach wir gesucht haben. Ein kleiner Wanderparkplatz mit Picknickplätzen, geschützt von steilen Berghängen. Nur das Rauschen der Kiefern hoch über uns lässt den Sturm erahnen. 

“ Vanlife von seiner schönsten Seite „

Als der Sturm sich verzieht, hinterlässt er nur leider etwas unbeständigeres Wetter. Aber das trübt unsere Freude hier zu sein nicht im geringsten. Und wenn wir schon mal auf einem Wanderparkplatz stehen, schnüren wir natürlich auch die Wanderschuhe. Die Berge im Nordosten Mallorcas sind sooo schön! Eine herrliche, wilde Landschaft. Urige Steineichen, Kiefern und knorrige Büsche säumen die steilen Wege. 

Jede Reise hat ein Ende

Bevor wir diese schöne Insel wieder verlassen müssen, fahren wir noch mal an die Küste. Als wir durch Port d’Alcúdia fahren, lassen die um diese Jahreszeit verlassenen Hotelburgen und verrammelten Kneipen und Souvenirbuden den Trubel erahnen, der hier im Sommer herrschen muss. Aber auch das ist ein Teil der Insel. Ganz anders sieht es in dem beschaulichen Örtchen Son Serra de Marina aus. Durch den Sturm ist das Meer trüb und aufgewühlt. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, sind einige unermüdliche Surfer im Wasser. Wir setzten uns auf die gemütliche Terrasse der Bar El Sol, genießen das Essen und beobachten das Treiben auf dem Wasser. 

Die Fähre für die Rückfahrt ist ein deutlich neueres Modell und so ist die Nacht im Ruheraum mit gemütlichen Sitzen auch deutlich erholsamer als auf der Hinfahrt. Zum Glück. Denn es stehen uns wieder zwei lange Fahrtage bevor. 

Camping auf Mallorca

In Palma de Mallorca gibt es eine Tankstelle mit Infrastruktur für Wohnmobile. Wasserver- und entsorgung und ganz wichtig eine Entsorgungsmöglichkeit für Campingtoiletten.

Petroest
13 Carrer Gremi de Traginers d’Oli
07009 Palma de Mallorca
GPS 39.600475, 2.658692

Wir haben die ganze Woche frei gestanden und sind nur auf freundliche, wohlgesinnte Menschen getroffen. Allerdings waren wir in der absoluten Nebensaison unterwegs und haben stets alle Plätze sauberer verlassen als sie bei unserer Ankunft waren. Wir würden aber definitiv nicht empfehlen im Sommer mit dem Wohnmobil nach Mallorca zu fahren. 

Natürlich hatten wir auch wieder unsere iSUPs im Gepäck. Wenn Du wissen willst, wo man auf Mallorca gut paddeln kann, schau demnächst auf unseren SUP Spots vorbei. 

 

6 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo ihr Lieben. Zum Thema Maut bezahlen in Frankreich. Ich habe mit meiner Mastercard noch nie Probleme beim bezahlen gehabt und ich bin schon oft genug in den Genuss gekommen Maut in Frankreich bezahlen zu dürfen 😉

    Antworten
  • Michael Blömeke
    14. Februar 2019 17:13

    danke für den Bericht. Noch ein Tipp zur Maut, wenn man ein Class 2 Auto hat und auf einmal Class 3 angezeigt wird, kann das auch am Dachträger und Gepäck liegen. Einfach auf die Ruftaste drücken reicht meist schon und man wird umgestuft. Das ging uns oft so mit Kanus auf dem Dach 😉
    Gruß Mitch

    Antworten
    • Hallo Michael,
      super, vielen Dank für den Tipp! Das kann mit Sicherheit dem ein oder anderen helfen.
      Lieben Gruß
      Eva

      Antworten
  • Hallo, ich bin eben auf Eurer Seite gelandet. Danke dass Ihr Euch die Mühe macht! Wir planen ebenfalls mit unserem Camper-Van, im Juli, nach Malle zu fahren. Haben aber die Möglichkeit auf einem Privatgrundstück zu stehen. Mich beunruhigt nur Euer Hinweis ‚im Sommer definitiv nicht zu empfehlen‘. Könnt Ihr das präzisieren? Lieben Dank schonmal, Sander

    Antworten
    • Hallo Sander,
      der Hinweis „im Sommer definitiv nicht zu empfehlen“ bezieht sich in erster Linie auf die Stellplatzsuche. Es gibt so gut wie keine offiziellen Stellplätze für Wohnmobile auf Mallorca. Dass heißt wir haben ausschließlich frei gestanden, oft auf öffentlichen Parkplätzen am Strand. Im Sommer sind diese natürlich viel voller und ich glaube nicht, dass campen dann toleriert wird. Wenn ihr eh hauptsächlich auf einem Privatgrundstück stehst, habt ihr damit keine Probleme.
      Ansonsten lieben wir die Ruhe und würden deshalb auch den Trubel im Sommer meiden. Aber das ist Geschmacksachen. In jedem Fall ist Mallorca eine traumhaft schöne Insel und loht einen Besuch.
      Wir wünschen euch eine tolle Zeit!
      Lieben Gruß, Eva

      Antworten

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