Frisch- und Trinkwasserversorgung in unserem Allrad-Wohnmobil
In diesem Artikel erkläre ich Dir wie die Wasserversorgung in unserem 4×4 Mercedes Sprinter Diego aufgebaut ist. Du erfährst warum wir uns für eine Druckwasserpumpe und gegen eine Tauchpumpe entschieden haben. Und ich verrate Dir welches System wir nutzen, um aus unserem Frischwasser sauberes und leckeres Trinkwasser zu machen.
1. Einbauort des Wassersystems
Rückblick
In unserem Toyota, mit dem wir zwei Jahre entlang der Panamericana unterwegs waren, war die Wasserinstallation in einem kleinen Schrank in der hintersten Ecke unter der Spüle versteckt. Ein fest verklebter Zwischenboden versperrte zusätzlich den Zugang. Es war der Horror! Ich konnte nur auf der Seite liegend die Leitungen erreichen, wobei ich mir regelmäßig fast die Schulter ausgekugelt habe. Und sehen was ich da tue, konnte ich auch nie. Der Wassertank hingegen war am anderen Ende vom Fahrzeug verbaut, im gleichen Schrank wie die Elektrik. Man kann sich vorstellen, was für Schweißausbrüche wir hatten, wenn mal was undicht war. Das sollte in unserem Sprinter anders werden.
Ich hatte also eine klare Vorstellung davon, wie die Wasserinstallation aussehen sollte, als wir den Ausbau von Diego geplant haben.
- Die Wasserleitung sollte nicht quer durch den Bus laufen,
- das gesamte Wassersystem sollte gut zugänglich sein und
- die Gewichtsverteilung im Fahrzeug sollte auch noch passen.
Der Dieseltank befindet sich bei uns auf der Fahrerseite und nach den ersten Skizzen war klar, der Küchenblock kommt auf die Beifahrerseite. Perfekt also um auch die Wasserkanister unterzubringen. Da der Küchenblock bis zur Hälfte der Schiebetüröffnung reicht und damit auch von Außen wunderbar zugänglich ist, haben wir in diesem Teil alles untergebracht, was zur Wasserversorgung gehört - von den Wasserkanistern bis zum Spülbecken.
Damit haben wir keine langen Leitungen quer durchs Fahrzeug. Mit einer großen Tür nach Außen ist alles übersichtlich, leicht zugänglich und das Einsetzen der Wasserkanister ist auch sehr komfortabel. Und für den Fall der Fälle, das doch mal was undicht ist, oder man beim Filterwechseln die Hälfte verschüttet, läuft alles einfach aus der Schiebetür raus.
2. Wassertank oder Wasserkanister? Was ist die bessere Wahl?
Rückblick
Unser besagter Toyota hatte einen festinstallierten Wassertank mit einem außen liegenden Füllstutzen. Das Füllen des Tanks mit einem Wasserschlauch war im Reisealltag aber tatsächlich nicht immer so einfach. Einen Wasserhahn zu finden war nicht das Problem, aber häufig kam man mit dem Fahrzeug nicht nah genug heran. Somit benötigten wir ein Gefäss mit dem wir den Wassertank füllen konnten. Bei wenig Stauraum ist alles was man zusätzlich benötigt ein klares No-Go. Und da wir keinen Platz für eine große Gießkanne hatten, haben wir mehr als einmal mit Faltschüssel und Trichtern aus Plastikflaschen den Tank gefüllt. Ein wahres Geduldsspiel.
Diesmal haben wir uns deshalb ganz bewusst für Wasserkanister entschieden, die man einfach rausnehmen kann. Denn wenn man nicht viel Platz hat, wie in unserem Camper Van, überwiegen dabei klar die Vorteile.
Vorteile von Wasserkanistern
- Wasserkanister sind in der Anschaffung deutlich günstiger als ein Wassertank
- Sie sind leicht zu entnehmen
- Sie sind leicht zu reinigen (wenn die Unterarme nicht zu kräftig sind)
- Da man die Kanister bei jedem Befüllen begutachten kann, reinigt man diese doch unterm Strich öfter als einen fest verbauten Wassertank
- Man ist flexibel beim Wasser auffüllen (z.B. an einer Quelle in den Bergen)
- Die unterschiedlichen Bauarten lassen sich platzsparend in fast jeden Ausbau integrieren
Nachteile von Wasserkanistern
- Wenn der eine Kanister leer ist, muss man die Leitungen zum nächsten Kanistern umstecken, oder sich ein System überlegen, wie man die Kanister miteinander verbindet
- Wenn man doch mal bequem mit einem Schlauch Wasser auffüllen kann, hat man mehrere Behälter, die gefüllt werden müssen
- Für große Wassermengen, ab 100 Liter sind Wasserkanister unpraktikabel
Wieviel Wasser braucht man denn so?
Unser Frischwasservorrat besteht aus drei Weithalskanistern* mit jeweils 19 Litern. Also 57 Liter in Summe. Zu zweit kommen wir damit 5 bis 7 Tage aus, je nachdem wie sparsam wir mit dem Wasser umgehen. Und es ist erstaunlich mit wie wenig Wasser man Spülen und sich Waschen kann, wenn man muss. An heißen Sommertagen mit entsprechend viel Trinkwasser und wenn wir auch mal die Außendusche nutzen, sind es drei bis vier Tage.
3. Wasserleitungen und Verbinder
Wir haben in unserem Camper Van das Wasserleitungssystem der Firma Reich verbaut, ein Stecksystem mit dem Namen UniQuick*. Die 12 mm Trinkwasserrohre werden, ohne Einsatz von Werkzeug, in die Fittings gesteckt. Es lässt sich super schnell verlegen und ist zu 100% dicht. Die Fittings gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Weitere Vorteile gegenüber Wasserschläuchen und Schlauchverbindern sind, dass der Durchmesser an den Verbindungen sich nicht verringert und die Rohre und Fittings weniger empfindlich sind bei Temperaturschwankungen.
4. Druckwasserpumpe oder Tauchpumpe
Tatsächlich wollte ich ursprünglich eine Tauchpumpe* verbauen. Das großartige an diesen Pumpen ist, die kompakten Bauweise, das geringe Gewicht und der günstige Kaufpreis. Die Pumpen verrichten ihre Arbeit nahezu geräuschlos und sind dazu noch wartungsfrei.
Warum es doch eine Druckwasserpumpe geworden ist?
Aber warum habe ich mich am Ende doch für eine Druckwasserpumpe* entschieden?
Für Tauchpumpen benötigt man spezielle Wasserhähne* mit einem integrierten Mikroschalter, der beim Öffnen des Wasserhahns die Tauchpumpe einschaltet. Im Campingbedarf findet man jede Menge Wasserhähne die speziell für die Nutzung von Tauchpumpen ausgelegt sind, aber leider sind die alle aus Kunstoff und wirken einfach minderwertig und nicht schön.
Der zweite und entscheidende Grund für uns war der Wasserdruck. Der Wasserdruck, den Tauchpumpen liefern, liegt nicht höher als 1,5 bar. Das reicht in den meisten Fällen aus, doch wenn man einen Trinkwasserfilter verbauen möchte, ist dieser Druck einfach zu gering. Und einen Trinkwasserfilter wollten wir in jeden Fall verbauen.
Was gibt es bei 12V Druckwasserpumpen zu beachten?
Druckwasserpumpen werden außerhalb des Wassertanks verbaut. Sie saugen das Wasser aus dem Tank an, auch wenn die Leitungen noch trocken sind. Distanzen bis zu 8 Meter sind für die Pumpe kein Problem, somit ist man beim Einbauort im Camper Van recht flexibel. Die Pumpen haben eine sehr hohe Lebensdauer und je nach Modell können Wasserdrücke bis zu 5 bar erreicht werden.
Doch Vorsicht beim Wasserdruck
Mehr ist in dem Fall nicht immer besser! Solltest du weitere Geräte in dein Wassersystem einbauen, wie zum Beispiel einen Warmwasserboiler, schaue dir genau an für welchen maximalen Wasserdruck er ausgelegt ist.
Für die Druckpumpe wird ein separater Schalter zum Ein- und Ausschalten verbaut. Ist die Pumpe eingeschaltet und der Wasserhahn wird geöffnet, reagiert die Pumpe auf diese Druckänderung im System und beginnt zu arbeiten. Das ermöglicht, im Gegensatz zur Tauchpumpe, den Einbau von haushaltsüblichen Wasserhähnen.
Welche Druckwasserpumpe ist in Diego verbaut?
In unserem Diego ist eine Lilie Shurflo Pumpe* der Serie Soft verbaut. Sie liefert einen Wasserdruck von 2,6 bar und fördert 11,3 l/min. Die neue Shurflo Soft ist deutlich leiser als die älteren Modelle der Classic Serie. Allerdings kann ein schlecht gewählter Einbauort das Laufgeräusch verstärken, weil zum Beispiel der Schrank plötzlich zum Resonanzkörper wird.
Durch die integrierte Bypass-Steuerung der Soft Serie wird ein sanfter Wasserlauf, ohne zu pulsieren, realisiert. Um das bei den Pumpen der Classic Serie zu erreichen ist es notwendig einen Druckausgleichsbehälter, zwischen Pumpe und Wasserhahn, zu verbauen.
Auch bei der Soft Serie macht es Sinn einen Druckausgleichsbehälter* zu verbauen, da er die Einschaltzeiten der Pumpe reduziert und somit die Lebensdauer der Pumpe verlängert.
Wir haben allerdings bei unserer Installation aus Platzgründen und weil man es bei unserer Pumpe nicht unbedingt notwendig ist, auf den Einbau des Druckausgleichsbehälter verzichtet.
Der Hersteller Lilie empfiehlt bei seinen Pumpen den Einbau eines Vorfilters*. Doch dies ist mehr als nur eine Empfehlung. Verzichtet man auf den Einbau, erlischt die Herstellergarantie. Der Vorfilter wird direkt an der Ansaugseite der Pumpe montiert.
Woran du denken solltest, damit dein Wagen nicht unter Wasser steht
Wie bereits erwähnt reagiert die Druckpumpe auf Druckänderungen im Wassersystem. Das kann auch zum Problem werden. Denn die Druckänderung hast du nicht nur, wenn du den Wasserhahn öffnest, sondern auch bei einer undichten Stellen im Wassersystem. Das heißt auch bei einer Leckage wird sich die Pumpe automatisch einschalten und den Inhalt des Wasserkanisters im Fahrzeug verteilen. Deshalb schalten wir die Pumpe immer aus, bevor wir schlafen gehen oder das Fahrzeug verlassen.
5. Aus Frischwasser wird Trinkwasser!
Da wir unterwegs nicht ständig Trinkwasser kaufen und damit unnötigen Kunststoffmüll verursachen möchten, haben wir einen Trinkwasserfilter verbaut. Wir haben das Trinkwasserfiltersystem vom Herstellers Katadyn. Die Filterpatrone nennt sich Superdyn* und ist ein Zweistufen-Filterelement - außen Keramik und innen Aktivkohle.
Auszug aus dem Datenblatt des Hersteller Katadyn
Datenblatt Katadyn Superdyn
Superdyn ist ein Zweistufen-Filterelement bestehend aus mikroporöser Keramik und einem Hochleistungs-Aktivkohleblock. Schwebstoffe und Bakterien werden ohne Einsatz von Chemikalien auf der Keramik-Oberfläche zurückgehalten. Der innere Aktivkohleblock adsorbiert nicht nur freies Chlor und andere organische Schadstoffe die für unangenehmen Geschmack und Geruch verantwortlich sind, sondern reduziert auch den Gehalt an Blei und anderen Schwermetallen. Durch die sehr grosse Innenoberfläche des Aktivkohleblocks kann das Filterelement 6 Monate lang verwendet werden. Der Keramikfilter wird durch lebensmittelechte Kunststoffkappen geschützt.
Rückblick
Im Toyota hatten wir auch einen Trinkwasserfilter verbaut. Allerdings nur einen einfachen Wasserhahn. Um zu entscheiden, ob das Wasser aus dem Tank gefiltert wird oder nicht, waren vorm Filter zwei Kugelhähne verbaut, die das Wasser direkt zum Wasserhahn oder eben über den Filter zum Wasserhahn lenkten. Das hatte zwei große Nachteile:
- Das gefilterte Wasser lief durch die gleichen Leitungen im Wasserhahn wie das zuvor ungefilterte,
- Die Kugelhähne waren so schwer zu erreichen, dass wir am Ende alles gefiltert haben.
Um die Lebensdauer des Filterelementes zu verlängern macht es aber Sinn, nur das Wasser zu filtern das wir trinken und das Brauchwasser eben nicht. Natürlich gibt es da die Möglichkeit zwei Wasserhähne zu verbauen, aber das ist unpraktisch und eine Frage des Platzes. Oder man verbaut einen 3-Wege-Wasserhahn.
3-Wege-Wasserhahn - Was ist das denn jetzt!?
Die „3“ beim 3-Wege-Wasserhahn* steht für 1. Warm-, 2. Kalt- und 3. Trinkwasser. Gut, Warmwasser haben wir nicht. Aber das entscheidende ist, dass der Wasserhahn zwei Wasserauslässe hat, damit sich das Brauchwasser und Trinkwasser nicht vermischt. In unserem Fall ist es so, betätigt man den großen Hebel am Hahn wird das Wasser direkt aus dem Kanister gepumpt und kommt am vorderen Wasserauslass des Hahns heraus. Betätig man den kleinen Hebel am Hahn wird das Wasser aus dem Kanister durch den Wasserfilter gepumpt und kommt am hinteren Wasserauslass des Hahns heraus.
Für noch mehr Lebensdauer vom Filter
Einer weiterer wichtiger Punkt für die Lebensdauer ist zwei Filterelemente zu haben und diese im Wechsel zu verwenden. Es sei den man lebt dauerhaft im Van. Das heißt wenn wir wissen, das wir die nächsten Wochen mal nicht unterwegs sind, baue ich den Filter aus damit er nicht dauerhaft im Wasser steht. Sollten wir doch mal spontan los, dann wird die Ersatz-Filterpatrone eingebaut.
Unser Wassersystem - Wie ist das ganze angeschlossen?
Noch mal im Überblicke die Komponenten von unserem Wassersystem:
- Weithalskanister 19 Liter* Fassungsvermögen
- Wasserleitungssystem UniQuick* der Firma Reich
- Druckwasserpumpe Lilie by Shurflo Druckpumpe Soft*
- Shurflo Vorfilter*
- Katadyn Filtergehäuse*
- Katadyn Filterelement Superdyn*
- 3-Wege-Wasserhahn*
- Duschbrause* für den Außeneinsatz
- Duschschlauch 4 m*
- Spülbecken SNG4133 von Dometic
Update zum Wassersystem
Nach langem Überlegen, wie wir einen Abwassertank in unserem Sprinter verbauen, haben wir nun eine Lösung gefunden. Der Abwassertank ist unterhalb der Trittstufe der Schiebetür montiert. Dort befindet sich bei unserem Camper, zwischen der Karosserie und dem Rahmen, ein ausreichend großer Freiraum um einen ca. 20 Liter großen Tank unterzubringen.
Die Entleerung des Abwassertanks erfolgt über einen Schlauch, denn wir wollten auf einen Schieber oder Kugelhahn zum Leeren des Tanks verzichtet. Der Schlauch ist am Auslass des Tanks montiert und wird bei nicht gebrauch im Radkasten (Beifahrerseite) fixiert.
Wie gut sich der Abwassertank im Reisealltag bewehrt, werde ich Dir nach einigen Monaten hier im Beitrag berichten.
Wie sieht die Frischwasserversorgung in Deinem Camper Van aus?
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